EM4me

Nutzen und Arbeitsweise

Wie sich mit EM4me arbeiten lässt

Nicht, wie etwas geht, sondern wozu es gut ist: die Schritte vom einzelnen Dokument bis zum eigenen Arbeitsraum, und was der Umfang der Markdown-Sprache dem Schreibenden bringt.

Ein Dokument, so wie Sie es gerade brauchen

Lesen, schreiben und prüfen sind verschiedene Tätigkeiten und brauchen verschiedene Darstellungen desselben Textes. Statt einen Kompromiss zu erzwingen, stehen sechs Ansichten bereit, zwischen denen ein Tastendruck wechselt. Der Wechsel kostet nichts und verändert die Datei nicht.

  • Gerendert zum Lesen, Quellcode für die genaue Arbeit an der Syntax.
  • Geteilt zeigt Quelltext und Ergebnis nebeneinander, für Konstrukte mit Tücken.
  • Live formatiert beim Tippen und zeigt die Markdown-Zeichen nur in der aktuellen Zeile.
  • Mindmap macht aus der Überschriften-Gliederung eine Baumkarte.
  • Canvas zeigt eine Fläche mit Karten und Verbindungen, die im Dokument selbst liegt.

Viele Dokumente nebeneinander

Ein Gedanke steht selten in einer Datei. Deshalb sind mehrere Dokumente gleichzeitig offen, in Reitern, die sich ordnen lassen. Alles davon ist Ihre Entscheidung, nicht die des Programms: Panels wandern zwischen linker und rechter Seite, Breiten und Höhen bleiben, wie Sie sie gestellt haben.

  • Reiter für beliebig viele offene Dokumente, mit Mehrfach-Auswahl und wählbarer Position.
  • Reiter-Gruppen bündeln zusammengehörende Dokumente farbig.
  • Zwei Spalten im selben Fenster für Quelle und Ziel, Entwurf und Vorlage, Kapitel und Notiz.
  • Sidebar-Panels links oder rechts, in Reihenfolge, Breite und Höhe frei gestellt.

Mehr als ein Fenster, mehr als ein Kontext

Wer an mehreren Dingen zugleich arbeitet, kommt mit einem Fenster nicht aus. Mehrere Fenster gehören zu einer Applikation, dem gemeinsamen Arbeitskontext, und davon lassen sich mehrere starten. So kommen zwei Vorhaben sich nicht ins Gehege, auch wenn beide dieselbe Anwendung nutzen.

  • Fenster in beliebiger Zahl, Reiter wandern zwischen ihnen.
  • Applikationen als eigenständige Arbeitskontexte mit eigenen Fenstern.
  • Die Sitzungs-Wiederherstellung bringt Applikationen, Fenster und Reiter zurück.

Ordnung durch Grenzen, Ordnung durch Gedächtnis

Zwei verschiedene Formen von Ordnung stehen bereit. Ein Bereich bindet eine Applikation an einen Ordner und macht ihn zur Grenze, sodass ein Projekt nicht versehentlich in ein anderes ausfranst. Ein Arbeitsbereich dagegen merkt sich einen Zustand und hält ihn ohne Speicher-Schritt aktuell: Wer ihn Wochen später öffnet, sitzt wieder genau dort, wo er aufgehört hat.

  • Bereich heißt Ordner-Grenze: Was außerhalb liegt, kommt nicht herein — mit genau einer Ausnahme, die Sie selbst setzen.
  • Arbeitsbereich heißt gespeicherter Arbeitszustand, benannt und farbig gekennzeichnet.
  • Beides zusammen ergibt einen benannten Arbeitszustand mit fester Ordner-Grenze.
  • Verknüpfte Bereiche sind diese Ausnahme: ein eingetragenes Kürzel, eine Richtung, ein Verweis, der hinüberträgt. Eine Tür, keine offene Grenze.

Ein Netz statt einer Ablage

Wissen wächst selten in Ordnern. Es wächst in Verbindungen: Eine Notiz verweist auf eine zweite, die dritte greift beide auf, und nach einem Jahr trägt der Bestand mehr Zusammenhang, als eine Ordner-Struktur je abbilden könnte. Dieser Zusammenhang wird mitgeführt und ist von zwei Seiten lesbar — als Fläche, die zeigt, was womit zusammenhängt, und als Baum, der zeigt, was von einem Einstieg aus in welcher Tiefe darunter hängt.

  • Verweise in beide Richtungen: was dieses Dokument nennt, und wer dieses Dokument nennt.
  • Das Netz zeigt die Umgebung eines Dokuments, der Baum ab einer wählbaren Wurzel die Ordnung darunter.
  • Im Baum steht jede Datei genau einmal, auf ihrem kürzesten Weg zur Wurzel; ein Klick öffnet sie.
  • Was niemand verweist, bleibt nicht verborgen: Die Bereichs-Statistik nennt diese Dateien beim Namen.

Wenn die Reihenfolge nicht mehr ausreicht

Manche Gedanken haben keine Reihenfolge: Wer Alternativen nebeneinanderlegt oder einen Ablauf skizziert, braucht Fläche statt Zeilen. Eine Canvas ist eine solche Fläche in einer gewöhnlichen Markdown-Datei — Karten mit eigenem Text, frei angeordnet und mit beschrifteten Linien verbunden. Anders als die Graphenansicht rechnet sie nichts aus, sondern hält fest, was Sie gelegt haben.

  • Karten mit eigenem Text, frei platziert und in der Größe wählbar.
  • Verbindungen mit Richtung, Farbe und Beschriftung, auch mit Pfeil an beiden Enden.
  • Ihre Anordnung bleibt Ihre: Die Fläche rechnet keine Positionen aus.
  • Die Fläche liegt als Klartext in der Markdown-Datei und ist auch ohne EM4me lesbar.

Aus Dateien wird ein Buch

Ein längeres Werk besteht aus vielen Dateien, und ihre Reihenfolge steckt sonst im Dateinamen oder in der Ordner-Lage. Ein Buch schreibt seine Gliederung ausdrücklich auf: Die Kapitel bleiben gewöhnliche Markdown-Dateien, aber ihre Ordnung liegt fest, und die Leseführung blättert über Kapitel-Grenzen hinweg durch das ganze Werk.

  • Erklärte Lese-Ordnung statt alphabetischer Sortierung nach Dateinamen.
  • Kapitel bleiben Dateien, einzeln lesbar und anderswo verwendbar.
  • Die Leseführung blättert durchgehend, das Verzeichnis ordnet per Ziehen oder Tastatur um.
  • Bücherregale gruppieren mehrere Bücher.

Wenn ein Dokument größer wird als eine Datei

Ein Dokument wächst manchmal über das hinaus, was sich flüssig bearbeiten lässt. Statt Ihnen dafür eine Grenze zu setzen, teilt die Anwendung ein solches Dokument beim Speichern selbst in mehrere Dateien und setzt es beim Öffnen wieder zusammen. Sie merken davon nichts: ein durchgehender Text, ein Rückgängig-Verlauf, ein Suchtreffer. Geschnitten wird nur an Überschriften, damit kein Konstrukt auseinandergerissen wird, und jede Teil-Datei bleibt eine gewöhnliche Markdown-Datei, die auch ohne die Anwendung lesbar ist.

  • Die Größe hört auf, eine Grenze zu sein — auch sehr umfangreiche Dokumente bleiben bedienbar.
  • Unsichtbar im Arbeitsfluss: ein Reiter, ein Text, ein Suchergebnis.
  • Geschnitten wird an Überschriften, nie mitten in Tabelle, Liste oder Code-Block.
  • Umkehrbar: ein Menü-Befehl macht aus den Teilen wieder eine einzige Datei.

Die Anwendung passt sich an — und kommt mit

Wer lange mit einem Programm arbeitet, formt es: Farben, Tastenkürzel, Schaltflächen, Vorlagen und Lesezeichen wachsen mit der eigenen Arbeitsweise, und irgendwann gehört auch die Sprache dazu, in der die Oberfläche spricht. Diese Arbeit war bisher an einen Rechner gebunden und an die mitgelieferten Sprachen. Beides ist offen: Die eigene Einrichtung lässt sich in eine lesbare Datei schreiben und anderswo wieder einlesen, und wer eine sechste Sprache braucht, übersetzt die Oberfläche selbst. Dazu kommt der Blick auf das Ganze — eine Seite, die alle eigenen Arbeitsbereiche, Bereiche, Bücher und Bücherregale nebeneinander zeigt, auch die, die gerade nicht angeschlossen sind.

  • Die Einrichtung als Datei: ausgeben, mitnehmen, anderswo einlesen — vollständig oder in Teilen, mit einer Vorschau vor der Übernahme.
  • Eine sechste Sprache: Ihre eigene. Eine Vorlage übersetzen, einspielen, in der Statusleiste wählen; was darin fehlt, erscheint auf Englisch.
  • Alle Gefäße an einem Ort: eingetragen statt automatisch erfasst, mit Kennzahlen und dem Zeitpunkt ihrer Erhebung.
  • Nichts geschieht ungefragt: Kein Laufwerk wird durchsucht, und kein Einlesen schreibt vor Ihrer Bestätigung.

Tabellen, die mehr tragen als eine Zeile

Damit endet die Frage nach den Arbeitsformen und beginnt die Frage, was sich in der Datei ausdrücken lässt. Der Markdown-Standard braucht keine Erklärung; interessant ist, was darüber hinausgeht, und das beginnt bei der Tabelle. Eine Standard-Tabelle ist zeilenbasiert und nimmt nur kurzen Text auf. Die Perspective Table nimmt ganze Blöcke in eine Zelle und wird damit zum Gliederungs-Werkzeug für echte Inhalte.

  • Block-Zellen mit Listen, Absätzen, Code und Bildern statt einzeiliger Felder.
  • Verschachtelung, Zellverbünde und Ausrichtung für anspruchsvolle Aufstellungen.
  • Sortierung und Status-Hervorhebung direkt in der gerenderten Tabelle.
  • Lesbar auch anderswo: In anderen Markdown-Programmen bleibt der Block ein sauberer Code-Block.

Tabellen, die rechnen

Für Zahlen statt Text gibt es die zweite Tabellen-Art. Die Perspective Datatable ist eine typisierte Datentabelle: Jede Spalte hat einen Wertetyp, Aggregat-Zeilen rechnen live mit, berechnete Spalten werten je Zeile einen Ausdruck aus, und bearbeitet wird direkt im gerenderten Gitter. Das trägt Ausgaben, Zeiterfassung oder Inventarlisten, ohne dass daraus eine Datenbank-Datei wird.

  • Feste Wertetypen je Spalte, damit Zahlen Zahlen bleiben und Daten Daten.
  • Aggregate, die live rechnen, und berechnete Spalten je Zeile.
  • Bearbeiten im Gitter, ohne in den Quelltext zu wechseln.
  • Rechnen auch im Fließtext: Inline-Berechnungen nutzen dieselbe Ausdrucks-Sprache.
  • Klartext bleibt Klartext: Die Daten stehen unverändert in der Markdown-Datei.

Dokument-Arten, die sich aufeinander stützen

Eigenschafts-Profile beschreiben die Felder einer Dokument-Art einmal zentral für einen Bereich: mit Typ, zulässigen Werten und Vorgabe. Die Eigenschafts-Editoren schlagen die Felder vor und bedienen die Wertebereiche als Auswahl-Listen. Profile erben voneinander: Ein Basis-Profil sagt, was für alle Dokumente gilt, und eine Art wie Artikel oder Sitzung ergänzt nur noch ihren eigenen Anteil, schließt Geerbtes bei Bedarf aus oder überschreibt es. Welches Profil gilt, muss dabei nicht im Dokument stehen: Ein Schlagwort oder der Ordner genügt, und ein Symbol am Dokument zeigt, welches es geworden ist. Auch der zulässige Wertevorrat eines Feldes darf aus dem eigenen Bestand kommen statt aus der Definition.

  • Felder einmal beschreiben statt in jedem Dokument neu: Vorschläge, Auswahl-Listen und Typen kommen aus dem Profil.
  • Vererbung mit Ausschluss und Überschreiben: Gemeinsames im Eltern-Profil, Eigenes in der Dokument-Art.
  • Weiche Hinweise statt Sperren: Abweichungen werden benannt, nichts wird blockiert.
  • Zuordnung ohne Eintrag im Dokument: Ein Schlagwort oder der Ordner entscheidet, welches Profil gilt.
  • Wertelisten, die sich selbst pflegen: Der Wertevorrat kommt wahlweise aus einer Notiz oder aus einer Abfrage über den Bestand.
  • Felder, die eine Struktur tragen: Eine Sitzung mit drei Teilnehmern braucht ein Feld statt drei paralleler Listen für Name, Rolle und Firma — im Metadaten-Block bleibt sie gewöhnliches, lesbares YAML.

Listen, die sich selbst aktuell halten

Wer viele Dateien führt, pflegt sonst Übersichten von Hand, und sie veralten am Tag ihrer Erstellung. Eine Perspective-Abfrage beschreibt stattdessen, was gesucht ist, und das Ergebnis erscheint an Ort und Stelle im Dokument: eine klickbare Liste oder Tabelle über den Bestand, gefiltert nach Eigenschaften, Schlagwörtern und Datei-Feldern. Ändert sich der Bestand, ändert sich die Ausgabe.

  • Themen-Seiten, die ihre zugehörigen Dateien selbst auflisten.
  • Filter über Frontmatter-Eigenschaften, Schlagwörter und Datei-Felder.
  • Block- und Aufgaben-Ebene, nicht nur ganze Dateien.
  • Jeder Treffer klickbar und führt direkt zum Ziel.

Wenn die Abfrage nicht reicht: Skripte

Manche Auswertung lässt sich nicht als Bedingung formulieren, etwa ein rekursiver Baum entlang der Verweise oder eine Übersicht, die unterwegs rechnet. Dafür gibt es Skript-Blöcke: Ein Block führt ein kleines Programm aus, liest denselben Bestand wie die Abfrage und gibt Listen, Tabellen oder fertig formatierten Text ins Dokument aus.

  • Freie Auswertungen über denselben Datenbestand wie die Abfrage.
  • Rekursive Strukturen und berechnete Übersichten, die deklarativ nicht ausdrückbar sind.
  • Ausdrückliches Vertrauens-Modell und Laufzeit-Grenzen statt stiller Ausführung.

Und der Rest der Sprache

Über die vier großen Konstrukte hinaus bringt der Sprachumfang mehr als fünfzig Erweiterungen. Nichts davon ist Pflicht: Jede hat ihren eigenen Schalter, und was ausgeschaltet ist, verschwindet aus Menüs, Befehlen und Darstellung, statt im Weg zu stehen.

  • Text-Erweiterungen für Hinweisblöcke, Fußnoten, Hervorhebungen und Abkürzungen.
  • Darstellung mit Formeln, Diagrammen und hervorgehobenem Code; beim portablen Export reist ein Diagramm als fertiges Bild mit.
  • Anker, Einbettungen und Schlagwörter für den Bezug innerhalb des Textes.
  • Arbeit am Tag mit Aufgaben, Erinnerungen, Terminen, Vorlagen und Journalen.
  • Einzeln schaltbar und offen für eigene Erweiterungen über eine dokumentierte Schnittstelle.

Alles davon steht ausführlich im Handbuch: zum Handbuch